Wish you were here: Sommerloch Eins, Zwei und Drei

Sommerloch 1: Kinder
Conni ist eine ganz schlimme Kinderbuch-Serie, die der Carlsen Verlag verantwortet und die kleine Kinder mögen. Dauernd entdeckt Conni die Welt.
Ganz bezaubernd die Aktion auf Twitter, die Conni-geschädigte Eltern zu kreativer Aggressionsabfuhr einlädt.  Die Frage war: Welche Conni-Titel fehlen? Meine Lieblinge: ‚Conni geht in den offenen Strafvollzg‘ und ‚Conni lernt rauchen‘. Ich schlage vor: ‚Conni kommt ins Heim‘ und ‚Conni kriegt ihre Tage‘.
Der Mann ruft gerade: ‚Conni bei den Grünen‘.

Sommerloch 2: Politik
Das Meldegesetz, natürlich sehr hübsch. Aber ungleich interessanter als diese Bankrotterklärung auf offener Straße ist eine Personalie im Familienminsterium: Eva Maria Welskop-Deffaa, Leiterin der Abteilung Gleichstellung und Chancengleichheit im Familienministerium und engagiert aktiv für Gleichstellung und für die Quote, wird von Ministerin Schröder in den einstweiligen Ruhestand verabschiedet – mit 53 Jahren. Der Rauswurf, der wie eine normale Personallappalie verkauft wird, zeigt, dass da jemand sich im Juli still & leise die Welt nach seinem Bild und Maße formt. Und nun gibt Schröder auch noch eine Presseerklärung raus, dass sie die Stelle mit einer Frau besetzen will – wegen der Gleichstellung.
Noch 14 Monate bis zur Bundestagswahl.

Sommerloch 3: Feminismus
Die Affäre Slaughter.
Für alle, die es nicht verfolgt haben: Anne-Marie Slaughter, Chefin des Planungsstabs von Außenministerin Hillary Clinton, ist von ihrem Amt zurückgetreten, um mehr Zeit für ihre Familie zu haben. In ihrem Artikel „Why women still can’t have it all“ forderte sie dann, mit falschen feministischen Forderungen und den theoretischen Idealen der Vereinbarkeit endlich Schluss zu machen.
Anzufügen bleibt, dass Slaughter Professorin für Politik in Princeton bleibt und nicht Hausfrau wird.
Selbst wenn, der spitze Aufschrei der amerikanischen und anschließend die Empörung der deutschen Feministinnen ist Energieverschwendung, denn die Bruchkanten verlaufen nicht entlang individueller Lebensentscheidungen – schon gar nicht auf diesem allerhöchsten sozialen Level. Die Frage von Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine politische und gesellschaftliche Verantwortung, eine Frage der Bewertung von Arbeit.

Die politische Sprengkraft des Betreuungsgelds sehen

Das Betreuungsgeld. Interessantes Projekt der derzeitigen Bundesregierung, zu dem schon einiges gesagt wurde. Manche schließen ihren Kommentaren die Einschätzung an, der zuständigen Ministerin fehle es an politischer Vision.
Ich sage Nein! Man unternehme doch einmal den Versuch, das Konzept des Betreuungsgeldes vom Kopf auf die Füße zu stellen und den Freiheitsgehalt herauszuschütteln.

Das geplante Betreuungsgeld in Höhe von 150 Euro im Monat sollen diejenigen Familien vom Staat erhalten, die ihre Kleinkinder unter drei Jahren nicht in öffentlich finanzierte Betreuungseinrichtungen geben (siehe auch: Menschenrechtsverletzung), sondern selbst die Windeln wechseln. Eine staatliche Honorierung für private Nicht-Inanspruchnahme. Die Kanzlerin lässt heute Morgen verlauten, das Betreuungsgeld sei ein Beitrag zur Wahlfreiheit.

Ein Bekannter von mir hat freiwillig seit inzwischen über vierzig Jahren kein öffentliches Schwimmbad mehr genutzt. Über vierzig Jahre! Es ist an der Zeit, dass der Staat ihm diesen Verzicht angemessen kompensiert und auf die Rentensprüche anrechnet.
Und all die Bürgerinnen und Bürger, die ihr Lebtag nicht die deutsche Polizei strapaziert haben: keine Demo, kein Parkvergehen, keine halbwüchsigen Kinder, die mit der Minna nach Hause gebracht werden müssen. Das gehört honoriert!


Es gab mal die Idee der Grünen, politische Partizipation auf Wohnblockebene zu installieren. Auf dem schwarzen Brett im Treppenhaus stünde in diesem Modell zum Beispiel: Griechenlandhilfe, 2. Tranche. Abstimmung Vorderhaus und linkes Hinterhaus: Dienstag 18 Uhr im Durchgang. Da hatten ja tatsächlich einige Leute keine Lust zu.
Was die Überprüfung des Nutzungsverhaltens staatlicher Leistungen angeht, machen wir das ohne Lust. Es könnte pro Wohnblock einen tüchtigen „Nutzung-staatlicher-Dienstleistungs und -aufgaben-Prüfdienstmann“ geben (NSDAP), der täglich nachschaut, wer nicht in die Bibliothek geht (21 Euro pro unterlassenem Besuch), nicht Bus fährt (4 Euro die Kurzstrecke), nie ein Theater betritt (83 Euro im Rang), kein Krankenhaus frequentiert (215 Euro im Monat) und keine Beratungsstelle (61,27 Euro im Jahr). Der Bezug von Transferleistungen schlägt selbstredend mit dem fünffachen Buchstabenwert negativ zu Buche und wird lebenslänglich verrechnet.

Ich meine, man sollte über diese lustige Gedankenspielerei hinaus aber konsequent einen Schritt weiterdenken und diejenigen Frauen bezahlen, die nicht studieren und anschließend nicht erwerbstätig sind, denn sie beanspruchen nicht die kostenintensiven Studienplätze und nehmen Menschen nicht den Arbeitsplatz weg.
Ein kerngesundes Frauenleben mit viel Bewegung an der frischen Luft und zwei bis drei Kindern, die zuhause geboren und robust mit der Hand großgezogen werden, kann unter voller Ausschöpfung der Wahlfreiheit gut & gern – sagen wir – 970 Euro monatlich bringen.
Das ist dem Team um Merkel, Rösler und Schröder die wahre Freiheit locker wert. Tolle Leute mit tollen Ideen.

Nicht meine Ministerin

Ich erwarte im Grundsatz von einer CDU-Familienministerin gar nicht, dass sie meine Interessen vertritt.
Doch der Umstand, dass Frau Dr. Kristina Schröder Lohndifferenz und Diskriminierung für individuell verhandelbare, lebensweltlich zu regulierende Misslichkeiten hält und diese Position ohne Not publiziert, markiert womöglich einen guten Zeitpunkt, das Amt der Familienministerin einer Politikerin zu übergeben.

Offener Brief der Berliner Grünen vom 18.4.2012.
Ihre Unterschrift können Sie unter nichtmeineministerin.de leisten.

Weiterlesen

Hausfrauenleitbild: große Gefühle

Es ist schon 10 Tage her, dass Martin Halter das neue Buch von Andrea Maria Schenkel besprochen hat. Aber erst heute dachte ich wieder an den Artikel und an die hässliche Verachtung, die den Text beflaggte.

Am frühen Morgen radeln meine Kinder vor mir her auf dem Bürgersteig. Aus einer tiefer gelegenen Garageneinfahrt schießt ein schwarzer SUV über den Gehsteig hinweg auf die Fahrbahn. Übertourig angefahren, mühsam kontrolliert. Das eine Kind auf seinem Rädchen nur um Weniges verfehlend.
Die Sorge um die Brut lässt auch besonnene Menschen ventilieren, also gehe ich rasch an die Fahrerseite, trete so fest es eben geht gegen das Auto und schreie ohne eine einzige Reflexionsschleife: „verdammte unfähige Hausfrau“.

Martin Halter hat am 10.4.2012 eine Rezension geschrieben, in der es nur am Rande um einen mittelmäßigen Krimi geht, im Kern aber um die obszöne Anmaßung einer Hausfrau, die mit ihrem Erstling enorm erfolgreich in die Manege des Literaturzirkus‘ eingestiegen ist. Immerhin wiesen die folgenden Bücher dann in eine absteigende Richtung, die der neue Krimi nun zementiert. Über den Erfolg sei ihre Ehe zu Bruch gegangen. Auch die „Unschuld des Anfangs“ sei zerrissen, leider.
Und am Ende der Besprechung dann vollends die Demaskierung: „Finstere bayrische Hinterwäldler (…): Das kann Josef Bierbichler in seinem Mittelreich dann doch besser als die Hausfrau in ihrem Zwischenreich zwischen Regensburg und New York.“
Der Autor Bierbichler erhält einen Vor- und Nachnamen, einen Hinweis auf seine Profession braucht der Leser auf Augenhöhe nicht. Die schreibende Hausfrau bleibt Hausfrau, ohne Zuschreibung, der Mühe nicht wert. Mag sie mit einem Bein noch so vorwitzig im Mekka der Literaturszene stehen, der andere Fuß klebt im provinziellen, ungebildeten, klar begrenzten und letztlich nicht Ernst zu nehmenden Hausfrauendasein.
Warum ist die Autorin Schenkel so schwer erträglich für den etablierten Kulturmenschen? Es wäre doch ein Leichtes, ihre Bücher einfach zu ignorieren. Doch die erfolgreiche Grenzüberschreitung einer Hausfrau kränkt den berufstätigen Kulturteilnehmer. Also wartet der Rezensent geduldig, bis das Leben sie straft, und zeigt dann auf das Weibsbild, auf die dumme Hausfrau, die den ihr angemessenen Platz verlassen hat.

Meine Tirade vor der abgedunkelten Scheibe speist sich zum größten Teil aus genau diesem Sumpf der Voreinstellungen. Auch in mir sitzt ganz tief  versteckt die Verachtung für die Wert erhaltende, unbezahlte Familienarbeit. Ich spüre noch den Nachklang des Hasses der Töchter auf die Mütter allein für all das, was diese Generation nicht gewagt hat.
Weiterlesen