Stufe Null – Katholische Schulen in Hamburg

Respekt.
Letztes Jahr machte sich das Hamburger Erzbistum in kürzester Zeit so viele Freunde wie selten zuvor. Es kündigte an, bis zu acht der 21 katholischen Schulen in Hamburg zu schließen. Schlecht gewirtschaftet. Finanzierungsdefizit. Pensionslasten. Die Schließungen sollten das verbleibende Schulsystem immerhin auf eine sichere Grundlage stellen.
Nicht nur die Tatsache selbst, auch der Umstand, dass Standorte vor allem in sozial schwächeren Stadtteilen aufgegeben werden sollen, sorgte für Proteste und Solidarität in Gemeinden, in den anderen Schulen und der Stadtgesellschaft. Es war aber vor allem die Kommunikationsstrategie, die als Bewerbung für den Posten eines Kardinalpräfekten der Disziplinarsektion der Glaubenskongregation hätte durchgehen können, die selbst Aufrechte Mühe kostete. Auch kooperative MitstreiterInnen, Menschen mit innovativen Finanzierungsideen und der Geduld einer Theresa von Ávila, liefen gegen Mauern.

Nun zeigt das katholische Erzbistum, dass Luft nach oben ist und kündigt ohne belastbares Zahlenwerk vorzulegen eine Erhöhung des Schulgelds an – je nach Einkommenshöhe der Eltern zwischen 30 und 100 Prozent. Es wird viele Fragen und engagierte Debatten dazu geben. Einzelne Argumente werden sorgsam geprüft und abgewogen werden müssen.
Ich nehme Wetten auf den Ausgang der Chose an, gebe kühnen Hitzköpfen jedoch zu bedenken, dass das Gleichheitsprinzip bei dem erprobten Dreischritt für Banken wie für Kirchen gilt.
1. Das Unternehmen/die Institution verdient sehr lange sehr viel Geld, betreibt Misswirtschaft, verspekuliert sich, weigert sich Zahlen offenzulegen, gerät in eine bedenkliche Schieflage.
2. Schweigen. Nachdenken. Entscheiden.
3. Bürger/Mitglieder zahlen für die Rettung des Unternehmens/der Institution.

Mein Entzücken allerdings ruft eine geplante Neuerung hervor, die dem finanziellen Desaster diese gewisse Hamburger Note verleiht, das eine Detail, das dem Dilemma die existenzielle Schärfe nimmt.
Bislang wurde das Haushaltseinkommen der Eltern zur Berechnung des Schulgelds in sechs Stufen eingeteilt. Wer sich auf Stufe 6 wiederfindet, verdient bis 25.000 Euro brutto im Jahr. Auf Stufe 1 tummeln sich die ab 75.000 Euro. Ganze 39 Prozent der Hamburger Elternschaft der katholischen Schulen wohnt auf dieser luftigen Höhe. Mit Abstand die dicht besiedelste Stufe. Distinktionsgewinn wird in Zukunft eine zusätzliche Liga bringen: null. Ab 100.000 Euro aufwärts.
Wenigstens einen plietschen Jungen scheint sie im Büro sitzen zu haben, die rechenschwache Mannschaft vom Erzbistum.

Schule, the Monster under your Bed

(cc) Marc Palm
Monster (cc) Marc Palm

Neulich las ich auf faz.net einen Artikel zum Thema Schulwahl. Die Autorin Julia Bähr berichtet von den Schauläufen, die weiterführende Schulen neuerdings veranstalten müssen, damit sie angewählt werden, und die man als Eltern besuchen muss, um nur ja den optimalen Bildungsort für den Nachwuchs zu ergattern.
Bähr schlingt noch einen Faden in den Text hinein: Ekliger Turnhallengeruch löst Erinnerungen an ihre eigene Schulzeit aus.
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