Frauen im Film. Der Bechdel-Test

In Cannes läuft der Wettbewerb und allen, die nicht dabei sein dürfen, sei ein Vergnügen empfohlen, das in jedem Kino funktioniert.
Erhöht ebenfalls den Unterhaltungswert stinklangweiliger Fernsehabende oder den Spaß bei Paar-DVD-Abenden, die sonst stumm abliefen.

Der Bechdel-Test misst die aktive Präsenz von weiblichen Charakteren in Hollywood-Filmen. Die Idee stammt ursprünglich aus einem Comic Dykes to Watch Out For (1985) von Allison Bechdel, in dem eine Figur, nämlich Mo, erklärt, dass sie nur solche Filme schaue, die alle drei folgenden Kriterien erfüllen:

1. Kommen in dem Film zwei oder mehr Frauen vor, die Namen haben?
2.
Sprechen diese Frauen miteinander?
3.
Sprechen sie über etwas anderes als einen Mann?

Wissenschaftlich oder filmästhetisch gänzlich irrelevant. Ein Test aber, der nicht belanglos ist. Erstaunlich, wieviele Filme diese unglaublich schlichten Fragen nach weiblicher Präsenz nicht oder nur teilweise erfüllen. Genrefilme, die ohnehin in reinen und strahlenden Männerwelten spielen (Kriegsfilme, Gangsterfilme, Western, Mafia-Filme, Abenteuerfilme, Spionagefilme oder Katastrophenfilme zum Beispiel) nehmen wir gar nicht ins Visier.
Auf der langen Liste der normalen Filme, die den Test nicht bestehen,  finden sich viele schöne und bekannte Filme, darunter:

Der Drachenläufer
Midnight in Paris
Ratatouille
Casino Royale
Das Leben der Anderen
Memento
König, Dame, Ass, Spion
The Tree of Life
Sonnenallee
The American
The Big Lebowski
L.A. Confidential
Die Abenteuer von Tim und Struppi
Tage des Verrats

Festival von Cannes: Ein Mann ist ein Mann!

Frauen zeigen in Cannes ihr Gesicht, Männer ihre Filme.

In der Le Monde vom 11. Mai 2012 erschien ein Aufruf, den die Filmemacherin Coline Serreau, die Schriftstellerin Virginie Despentes und die Schauspielerin Fanny Cottençon verfasst haben.
Initiiert von der Gruppe La Barbe – feministische Aktionsgruppe.
Gegen Sexismus in Cannes, gegen fortwährende positive Diskriminierung.

Der Aufruf in deutscher Übersetzung:

Was hat sich am Kino verändert? Alles!“, rief Gilles Jacob, Präsident des Festivals von Cannes, bei der Vorstellung der ausgewählten Filme für die 65. Festspiele. Alles?!
Für einen Augenblick spürten wir ein Erzittern. Zu Unrecht, denn die zweiundzwanzig Filme im Wettbewerb sind – durch einen glücklichen Zufall – von zweiundzwanzig Männern gedreht worden. Auch dieses Jahr wird also, wie 63 Mal zuvor, einer von ihnen mit der Goldenen Palme ausgezeichnet werden. Auch dieses Jahr werden wieder ausnahmslos die männlichen Werte, die die Größe der Siebten Kunst ausmachen, verteidigt.

Nur ein einziges Mal, 1993, erhielt eine Regisseurin die Auszeichnung: Jane Champion. 2011 hatten sich vier Frauen unter die zwanzig Nominierten des Wettbewerbs geschlichen. Zweifellos hatte da jemand nicht aufgepasst. Thierry Frémeaux, der Festivalleiter, beeilte sich damals auch zu bemerken: „Das ist das erste Mal, dass so viele Frauen dabei sind.“ Schuld beladene Schwäche! Umso unentschuldbarer, als bei der Verleihung der Césars im gleichen Jahr weder in der Kategorie „Bester Film“ noch in der Kategorie „ Beste Regie“ auch nur eine einzige Frau nominiert worden war. Weiterlesen „Festival von Cannes: Ein Mann ist ein Mann!“

Taubenscheiße

Ich weiß nicht mehr, wann ich den Humor verloren habe, den mein alter Lateinlehrer Doktor W. für ein Zeichen von Bildung und erwachsener Gelassenheit ansah. Er hätte von mir erwartet, dass ich die Bildunterschrift als das nehme, als was sie sich ausgibt: ein ironisches, süffisantes, wohlmeinendes Aperçu.

(c) Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bildunterschrift  lautet:

(…) Atemberaubend, wie blind sie (die Griechen) dafür sind, dass es nicht der Fall ist, der einen umbringt, sondern der plötzliche Stopp – und der kommt schneller, als diese herrlich lachende Griechin in Olympia denken mag. (..) Aber, liebe Europäer, darf ein Land, das solche zauberhaften Täubchen sein Eigen nennt, sterben?“

Das ist nicht lustig.
Ja, die herrlich lachende Griechin mit den vollen Titten. Das pralle Leben, antike Schönheit, jung, statuarisch, im Glanz der Tradition. Herrlich, wenn junge, fruchtbare und schöne Frauen so herrlich lachen. Zauberhäfte Täubchen, die wir uns braten in der kleinen Penthouse-Wohnung, die wir ihr zahlen. Täubchen, die wir unser Eigen nennen und vernaschen am Wochenende oder im Puff in der Mittagspause.
„Liebe Europäer“. Wer immer von den Millionen von europäischen Männern sich angesprochen fühlt, soll mir weg bleiben. Das sind die gleichen Leute, die den Menschen in einem freien Land drohen (>Berlin droht Athen mit Ende der Hilfszahlungen<), weil sie aus der Perspektive von Guido Westerwelle die falschen Parteien gewählt haben.

Ehe der Ruch der humorlosen Feministin an mir haften bleibt, erzähle ich noch eine großartige Story, die ich gestern auf Deutschlandradio Kultur gehört habe. Der Bericht beschäftigte sich mit der russischen Militärparade am 9. Mai. Alljährlich wird auf dem Roten Piatz der Sieg der Roten Armee über Nazi-Deutschland gefeiert.

Einer Umfrage des unabhängigen Levada-Institutes zufolge sahen sich letztes Jahr zwei Drittel der Russen die Parade an – und fanden sie mehrheitlich gut. Die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton dagegen verfolgten nur halb so viele – und den meisten gefiel sie nicht.

Frau Schramm

bezeichnet sich selbst als Politologin, Piratin, Publizistin, Pro-Aktivistin, Prokrastiniererin, Prä-Politikerin, Privilegienmuschi, Provokateurin und Feministin (die schöne P-Reihe kaputt, das tut mir Leid) und vertritt viele Meinungen (geistiges Eigentum sei ekelhaft zum Beispiel). Gleichzeitig publiziert sie das eigene Buch im Knaus Verlag, weil sie dadurch die „kapitalistische Logik kennen lernen“ kann).
Dem heutigen Artikel von Melanie Mühl in der FAZ entnehme ich die Information, dass Frau Schramm vor ihrem Eintritt in die Piratenpartei Mitglied der Jungen Liberalen war und für Gerhard Pape arbeitete. (Können junge Menschen in der Liberalen Partei keine Erfahrungen mehr mit kapitalistischer Logik machen? Kein Wunder, dass der Laden schließt.)
Meinungsstärke gibt es auch auf der Homepage der Kandidatin für den Bundesvorsitz der Partei (der Piraten jetzt): „Hier wird sich geduzt. Das Siezen ist im deutschen Internet ein Zeichen von absichtlicher Distanz. Es kann als unhöflich interpretiert werden“.
Verstehe ich Sie richtig, Frau Schramm: Absichtliche Distanz kann als unhöflich interpretiert werden? Dann ist es wohl unhöflich, wenn ich es erheiternd finde, dass Sie als ausgebildete Geisteswissenschaftlerin (was Sie ja mehrfach betonen) einen einzigen Wikipedia-Satz zitieren, um den Diskursbegriff Foucaults zu erhellen. (Das ist allerdings eine Anmerkung, die nur meine eigene Arroganz und allgemeine Engstirnigkeit verrät. Schwamm drüber.)

Nach der Publikation des Buches im Bertelsmann-Hardcover veranstaltet der Verlag als Promotionsmaßnahme im Literaturhaus Hamburg eine schöne Podiumsdiskussion mit Sascha Lobo und Kathrin Passig, moderiert von Ijoma Mangold. Herrlich, so eine eine rundum betreute Lernerfahrung, die Ihr Agent wahrscheinlich ausgehandelt hat. Wieviel haben Sie bekommen für das geistige Eigentum, dessen Konzept und Verwertung Sie politisch grundsätzlich verwerflich finden?

Ebenso interessant wie Ihre Lernerfahrung in der kapitalistischen Logik wäre unter Umständen auch eine semiotische Bildlektüre (www.wikipedia.de, Stichwort: Barthes) der beiden Fotos von Ihnen, die der Verlag verwendet.
Welches Autoren-Narrativ inszeniert eine selbstbewusste „Internet-Exhibitionistin“ und Piratin in der Medienlandschaft?
Das eine kess, naiv und sexy, ganz die frische Domina à la Roche. Das andere die kühle L’Oréal-Ikone, gestylte feine Unschuld mit wehendem Haar, fit für Hochglanz-Magazine.

Provokant scheint mir das nicht zu sein. Feministisch ebenso wenig. Rundum uninteressant trifft es eher.

Pro Quote – jetzt.

In einem offenen Brief an Verleger, Chefredakteure und Intendanten fordern mehr als 350 Journalistinnen aus allen Medienbereichen die Einführung einer Frauenquote von 30 Prozent auf allen Führungsetagen.

Tatsächlich sind nur zwei Prozent aller Chefredakteure der rund 360 deutschen Tages- und Wochenzeitungen Frauen, von den 12 Intendanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind lediglich drei weiblich. Und auch in den Redaktionen der Nachrichtenmagazine stehen fast ausschließlich Männer an der Spitze.
Es ist Zeit, etwas zu ändern.
Wir fordern, dass mindestens 30 Prozent der Führungspositionen in den Redaktionen im Laufe der nächsten fünf Jahre mit Frauen besetzt werden – und zwar auf allen Hierarchiestufen.

Diese Forderung unterstützt CLEAN RECORD sehr gern. Mit Ihrer Unterschrift auf Pro Quote können Sie dem Aufruf noch mehr Gewicht verleihen!

ER SUCHT SIE

KennenlernenEs gibt sie, die großen Momente in einer Familie. Wir hatten heute beim Abendessen einen und verdanken ihn dem Mann aus Köln, der im ZEIT Magazin in der Rubrik KENNENLERNEN eine Anzeige veröffentlicht hat.
Die Fotostrecke von Josefsohn vorne im Magazin war, Hummus-Brote und Oliven futternd, bereits ein unterhaltsames Vergnügen: Mir vollkommen unbegreiflich, dass die MTV-Kampagne schon zwanzig Jahre alt sein soll, für Kind 1 & 2 sehr überraschend, dass es damals schon Farbfotografie gab. Danach eine geniale Modestrecke, die den Beifall aller fand. Und während wir noch über Looks plaudern und die extrem geniale blaue Hose auf dem letzten Bild, blättert Kind 2 weiter, bis ihr Blick an der Zeichnung eines einsamen Mannes auf einem Tandem hängen bleibt: die Kontaktanzeigen.
Parshippen in der Zeit, Mama.
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