Schauen statt funktionieren

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Das neue Jahr beginnt mit kranken Kindern. Eine Woche Kind 1, die nächste Kind 2. Kochen, vorlesen, Kinderärzte, Wäsche waschen, entschuldigend Abgabetermine verschieben, nachts aufstehen, Wadenwickel – das ganze Programm. Zwei Wochen, in denen ich fast nicht gearbeitet (und kaum Geld verdient) und so gut wie niemanden gesehen habe. Kommt vor.
Zufällig kam mir in der Zeit wieder ein Text in die Hände, den ich vor einigen Jahren geschrieben habe: Es sterben gar keine Frauen.
Eine Überlegung darin dreht sich um Todesanzeigen in überregionalen Tageszeitungen. Schaut man auf einen normalen Wochentag, sterben so gut wie keine Frauen. Höchstens mal eine hoch betagte preussische Gräfin im Kreise der Familie. An diesem Phänomen hat sich wenig geändert. Das Thema der ungleichen Repräsentation schließt aber an ein anderes an, das mich gegenwärtig umtreibt: Unsichtbarkeit.

Ich bemühe einen Klassiker des Selbstmitleids, der hier als experimentelle Anordnung dienen soll: Wenn ich tot umfalle, wie viel Zeit verginge, bis jemand bemerkt, dass ich fehle?
Jeden Sommer fahren meine Kinder für zehn Tage in die Ferien. Für diesen Zeitraum kann ich die Frage ganz präsize beantworten. Elf Tage würde es dauern. Öffnete ich die Tür nicht, wenn der Vater sie zurückbringt, finge er abends an die Mailbox vollzutexten.
In diesen zehn Tagen klingelte bestimmt hin und wieder das Telefon: Freunde, Familie, Zahnarzt. Ein Auftraggeber wäre sauer und schriebe böse Mails. Mehr würde aber nicht passieren. Niemand wäre ernsthaft irritiert, wenn ich mich innerhalb von zehn Tagen nicht meldete. Für alle 355 übrigen Tagen kann ich die Frage ebenso präzise beantworten. 16.15 Uhr wäre der späteste Zeitpunkt für ein Auffinden. Wenn die Kinder aus der Schule kommen. Außerhalb dieser Routine fehle ich nicht.
Was ist in einem Leben passiert, in dem dieses Szenario völlig realistisch ist?
Da ich mich weder für außergewöhnlich griesgrämig noch soziophob halte, komme ich dahin anzunehmen, dass diese Erfahrung mit Strukturen einhergeht. Unsichtbarkeit passiert nicht nur in einem, nämlich in meinem Leben.

Freiberuflichkeit ist als Alleinerziehende – anfangs mit zwei Kleinkindern – die einzige Chance, den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen. Man arbeitet allein, liefert elektronisch ab, mal telefoniert man, meistens nicht. Anerkennung drückt sich im besten Fall in erneuter Auftragsvergabe aus. Es gibt keine Kollegen, wenig Austausch, keine gemeinsamen Projekte, an denen man kontinuierlich arbeitet.

Unsichtbarkeit vollzieht sich nicht von einem Tag auf den anderen, sie wächst in vielen kleinen Schritten: mit jeder Absage auf eine Einladung, weil man den Babysitter nicht bezahlen kann, mit jedem erschöpften Moment und mit jedem leeren Abend vor vollen Wäschewannen, wo allein der Gedanke an einen tollen Tangokursus so fern liegt wie Argentinien. Sie ernährt sich von Geldsorgen und mangelnder Teilhabe, sie wird dichter mit jedem Jahr, das vorübergeht.
Über einem auf Dauer gestellten, den einzelnen Menschen strukturell überfordernden Funktionieren, das keinen Raum übrig lässt, wird die Welt immer enger und man verschwindet – aus den Augen der Anderen wie auch aus dem eigenen Blick. Armut macht unsichtbar, das Alter auf ähnliche Weise. Die Gründe dafür sind so zahlreich wie offenkundig. Die Gutscheine für soziale Anerkennung, emotionale Bedeutung, eine Rolle, gar ökonomischen Erfolg werden in öffentlichen, in beruflichen und privat-intakten erwachsenen Kontexten ausgestellt.
Ich bin nicht allein in der Unsichtbarkeit. Dieses Wissen macht sie nicht erträglicher, lässt sie aber doch vom Schicksal zum Phänomen schrumpfen.

„Alleinerziehende verschwinden über Jahre, teilweise Jahrzehnte, aus Lebensanteilen, die jedem normalen Mensch selbstverständlich erscheinen“, schreibt Candy Bukowsky in ihrer Rezension zu Christine Finkes Buch ‚Allein, alleiner, alleinerziehend‘.

Den Großteil der Bedingungen kann ich akut nicht verändern, einiges Weniges vielleicht auf mittlere Sicht. Was ich aber kann und will, ist Sachen sehen. Es wird auf diesem Kanal also eine neue Serie geben:
Everything you see I owe to my eyes
Eine winzige Abwandlung des Sophia Loren-Zitates: „Everything you see I owe to spaghetti.“ Dort ging es um Kalorien und blendende Schönheit, hier geht es um Blicke: auf Frauen, Geschichten und Bilder, ums Hinschauen.
Gleich heute kommt Folge 1: „Jolie sous les bombes. Spaziergänge in Beirut“

 

 

 

 

Im Steinzeitalter der Kinderbetreuung

„Agarre de un bifaz“ von José-Manuel Benito Álvarez (España) —> Locutus Borg - Eigenes Werk. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Agarre_de_un_bifaz.png#/media/File:Agarre_de_un_bifaz.png

In den letzten Jahren hat sich einiges verändert bei der institutionellen Kinderbetreuung, auch zum Besseren: Es gibt mehr Ganztag in den Grundschulen, mehr Krippenplätze, das kostenfreie Vorschuljahr und Sprachförderung in den Kitas.

Quasi das Holozän der Betreuung herrscht im Leben einer alleinerziehenden Berufstätigen, solange sich beide Kinder in Kita und Grundschule bewegen: gesicherter Aufenthalt in der Erziehungs- und Bildungsanstalt von acht bis 16 Uhr. Natürlich gibt es auch mal eine Ausnahme: Elternsprechtag, pädagogischer Jahrestag, Läusealarm, eine Krankheitswelle im Lehrkörper, einen Streiktag oder zwei oder neun bei den Erziehern, ab und an einen Ausflug, hin und wieder eine Konferenz, ein Klassenfest, zuweilen ein Schulfest oder einen Betriebsausflug des Betreuerteams. Kleinigkeiten gewissermaßen, die mit dem Anspruch auf Jahresurlaub fair austariert sind.

An dem Tag aber, an dem Kind 1 auf die weiterführende Schule wechselt, katapultiert die Wirklichkeit einen ins Betreuungssteinzeitalter zurück. Meine Kinder sind klein geraten und beim Wechsel neun Jahre alt.
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Frau Ministerin Nahles redet über Luxus und Armut. Da machen wir mit.

(cc)_RossPollack_flickrEnde Februar legte der Paritätische Wohlfahrtsverband seinen neuen Armutsbericht vor. Letzte Woche hat dann Arbeitsministerin Nahles einen eigenen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung angekündigt und im Interview mit der Süddeutschen Zeitung ihr gesellschaftspolitisches Interesse akzentuiert:

Man hört oft Zahlen, wer wie viel besitzt und dass die Kluft zwischen Arm und Reich größer wird. Mir geht es aber um die Frage: Wie wirkt sich Reichtum in unserem Land im Alltag aus? Nehmen Vermögende und die Eliten Einfluss auf politische Entscheidungen und gesellschaftliche Diskurse – welchen und in welcher Form?

Das halte ich ebenfalls für einen hochinteressanten Aspekt. Ich freue mich schon auf den Bericht der Bundesregierung, der die Fragen nach Elitenbildung, Lobbyismus, Stifterfamilien, Vermögensverhältnissen, Einflusssphären und generationellem Vermögenstransfer in Deutschland offenlegen und zur Diskussion bereitstellen wird. Bis das Papier aber vorliegt, können wir uns noch einmal dieser „Kluft“ zuwenden.

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Keine Raketenphysik. Zum Equal Pay Day

(c) Lisa Blum-MInkel

RED HANDBAG (c) Lisa Blum-Minkel, Hamburg

Er kommt in die Jahre, der Equal Pay Day.
1988 riefen die amerikanischen Business and Professional Women zum ersten Mal den Aktionstag aus und initiierten die Red Purse Campaign, um auf die Unterbezahlung von Frauen hinzuweisen.
Bei der siebenundzwanzigsten Party sind nun alle dabei: Familienministerinnen, SPD-Vorsitzende, Wirtschaftsredakteure – tout Paris lässt sich blicken und spricht Grußworte, denn das Geburtstagskind ist erwachsen und salonfähig geworden. Es schickt sich, bei dem Event gesehen zu werden.
Unterdessen bewegt sich die Lohndifferenz in Deutschland mit leichten Schwankungen seit Jahren zwischen 22 und 23 Prozent.

Dass der Equal Pay Day zu kurz greift und tiefer liegende Gründe der Ungleichheit vernachlässigt, hat zum Beispiel Antje Schrupp schon 2011 in zehn Thesen klar vorgetragen. Auch die statistische Aussagekraft wurde schon an vielen Stellen zurecht kritisiert. Seit einigen Jahren unterscheidet man deshalb zwischen unbereinigter und bereinigter Lohndifferenz.
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So war mein Frauentag 2015

Der Baumarkt an sich ist ja eine großartige Sache.
Füllhorn der Einsichten für Stadtethnografinnen, Gendertheoretiker, Kapitalismuskritikerinnen, Linguisten (Hochdruckeinspritzdüsenautomatikeinrichter), Paartherapeuten und Semiotikerinnen, die dort an jedem beliebigen Samstag aasen können wie der Leopard in der Lämmerherde.

Für mich persönlich ist der Baumarkt kein natürliches Habitat.
Ich bin handwerklich nicht geschickt. Ich kann nicht schwer tragen, und meine Arme tun schnell weh. Ich bin mir völlig im Klaren darüber, dass meine Fähigkeiten auf dem Gebiet des handwerklichen Tuns sehr beschränkt sind, was mich im Grunde nicht beunruhigt, aber nervös macht, wenn ich mich auf dem Hoheitsgebiet der Zupackenden und Hobbybegeisterten bewege.
Ich beziehe weder Selbstbestätigung aus der Tatsache, dass ein Nagel in der Wand ist, wo vorher kein Nagel war, noch bringt es mir Freude, mit einem Hammer auf einen Nagel zu schlagen. Und ich bin nicht monotonieresistent. Wer einmal eine Wohnung renoviert hat, weiß, was ich meine. Es gibt kaum etwas Öderes.
Manche Frauen erzählen zum Beispiel auch, dass sie putzen, wenn sie traurig sind. Quasi Therapie. Auf die Idee bin ich in meinem Leben noch nicht gekommen. Wenn ich auf andere Gedanken kommen will, lese ich den Wirtschaftsteil der FAZ.
Ich schätze eine saubere Umgebung, aber noch mehr würde ich es schätzen, wenn jemand (gut bezahlt) das machen könnte. Putzen ist die tristeste Betätigung, die ich mir vorstellen kann. Ich tue es, aber mit dem massiven Gefühl der Zeitvergeudung.
Wenn ich etwas renovieren, anschrauben oder reparieren muss, geht mir wie ein Drehbohrer nur ein Gedanke durch den Kopf: Ich lebe in einer arbeitsteiligen Gesellschaft, in der nicht jeder Einzelne Kühe jagen, Weizen anbauen, das Feuer unterhalten, Feinde anbrüllen und die Kinder hüten muss. Aus guten Gründen: Spezialisierung ist sinnvoll, historisch bewährt und hat uns alle weit gebracht. Wenn ich einen Schraubenzieher in der Hand halte, mag es aussehen wie eine Kleinigkeit, ist aber in Wahrheit ein großer Rückschritt für die Menschheit.

Wieso also muss ich Dübel in die Wand ballern oder Steckdosen anschrauben? Zwei Antworten:
1. Ich habe es finanziell definitiv nicht weit gebracht. Als Alleinerziehende mit zwei Kindern erfülle ich alle statistischen Wahrscheinlichkeiten in Sachen Armutsgefährdung.
Zwei Handwerker, die, gut ausgebildet und mit professionellem Werkszeug versehen, die Renovierung von Flur und Bad  angehen und schön ausführen, kann ich nicht bezahlen. Diese Einsicht genügt an manchen Tagen, um mein Selbstwertgefühl anzunagen.
2. Ich lebe allein. Partnerschaftliche Arbeitsteilung fällt also aus.
Schatz, holst du Kind 1 vom Chor ab und gehst danach einkaufen? Dann hänge ich die Wäsche auf und bringe Kind 2 zum Sport. Liebling, ich muss heute länger arbeiten, machst du das Abendessen? Ich kümmere mich dann später um die Buchhaltung. Ach und übrigens, magst du dich mit der Renovierung befassen und vorher noch den Wochenendeinkauf machen, ich bringe das Altpapier weg und arbeite im Garten. Du kannst das einfach besser als ich.

Als ich Samstagmorgen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln am Baumarkt ankam, war meine Verfassung im Wissen um das, was da auf mich zukommen würde, bereits labil. Dann erst kamen die Ehepaare, die auf dem Parkplatz aus dunkelblauen Kombis aussteigen, dann die Typen, die sich gern Wörter wie Fliesenkreuz, Kartuschenpresse, Langhalswinkelschleifer oder Wasserpumpenzange sagen hören (okay, da wusste ich immerhin, dass ich in der falschen Abteilung war). Welches Leben führt man, um solche Sachen besitzen und in seinem Privatleben verwenden zu wollen?

Als ich endlich beim Malerbedarf stand, war mir dieses ganzes Land fremd. Was dann aber folgte, war das netteste Verkaufsgespräch, was mir je untergekommen ist.
Wie kann ich Ihnen helfen? Ich zuppele mein zerknittertes, kleines Post-it aus der Hosentasche, wo beidseitig in Miniformat Grundriss und Quadratmeterberechnung minus Türblätter Platz gefunden hatten, berechneter Lackbedarf für zwei Türen, Heizungsrohre und Lamperien, angemischte Farbe für einzelne Flächen und die Liste für das Material drumherum: Kreppband, Anlauger, runde Pinsel, Rollen, Teleskopstange und so. Er nimmt den Zettel ganz vorsichtig, streicht ihn glatt, guckt konzentriert, tippt und notiert, während ich noch anfüge: Es muss mit einem kleinen Farbeimer gehen, denn den großen kann ich nicht zum Bus tragen, ich habe insgesamt zehn Stunden Zeit, brauche also hochdeckende Farbe, will keinen Handwerkerpreis gewinnen, und es muss nicht teuer werden.
Und dieser Mann sagt: Alles auf Ihrem Zettel stimmt, und Sie haben nichts vergessen, warten Sie bitte einen Moment, ich stelle Ihnen die Waren zusammen. Ich empfehle eine kleinere Rolle, dann tun Ihnen die Arme nicht so schnell weh bei den hohen Decken. Aber Sie brauchen leider einen großen Farbeimer. Ich hab sowieso gleich Pause, ich trag ihn eben rasch für Sie zur Bushalte.
Das hat der Mann getan und zum Abschied gesagt: Ich wünsch Ihnen gutes Gelingen. Sie machen das sicher ganz prima.

Den Frauentag habe ich handwerkelnd verbracht. Es ist fertig geworden und das Ossobuco zum Abendessen verdammt gut. Ich habe die Renovierung mit der ausnehmend freundlichen Unterstützung des Baumarkt-Angestellten nicht lieber getan, aber leichter. Und habe beim Streichen die Gelegenheit genutzt, auf brülllaut ungestört alle meine alten Zappa-Platten zu hören.

Transmissionseffekt. Mit diesem Begriff bezeichnet man in der Familiensoziologie eine der Ursachen für die zunehmende Partnerlosigkeit in Deutschland: Alleinerziehende Frauen geben durch ihre Verhaltensmuster und Bewältigungsstrategien ihren Kindern ein Beispiel, übertragen somit die Lebensführung ohne Partner auf die nächste Generation.
Zapperlot! Und wie lautet der Begriff für Leben in Kleinfamilien? Wertevermittlung?
Auf meinen Übertragungsriemen waren heute jedenfalls zwei Botschaften gespannt:
1. Jeder braucht Unterstützung und Ermutigung, und manchmal kommen sie von unerwarteter Seite.
2. Mama mag Zappa.

Hundts Furcht

images-1Wahlversprechen sind im politischen Geschäft Wechselbriefe mit der Besonderheit, dass diese Papiere ohne Fälligkeitsdatum ausgestellt sind und keine Durchsetzbarkeit besteht. Gewissermaßen symbolische Symbole in der politischen Kommunikation.

Betrachten wir Angela Merkels Wahlversprechen, den Steuerfreibetrag für Familien und das Kindergeld zu erhöhen. Im Wahlprogramm der CDU ist dafür ein Volumen von 7,6 Milliarden Euro ausgewiesen (im Wahlprogramm, nicht im Haushalt). Die Message ist nicht schwierig zu lesen: Die Kanzlerin begegnet der Kritik an ihrer Familienministerin und am Betreuungsgeld, Frau Schröder wird im neuen Kabinett keinen Ministerposten mehr zu erwarten haben  und die Union braucht die Stimmen der weiblichen Wähler und der städtischen Klientel. Ob man die Idee nun für innovativ halten mag oder falsch: Viel hilft viel, ich scheiß dich zu meinem Geld. Klare Botschaft.

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Wer sonst würde das freiwillig und unentgeltlich tun?

Rebellin gegen die Zwänge des Marktes, Entschleunigungsfigur von einer fast philosophischen DimensionSabine Rückert spart nicht am großen Wurf, wenn sie sich für die Hausfrau als Gegenentwurf zu einer wachtumsorientierten, auf Effizienz bedachten Arbeitsgesellschaft stark macht.
Bravo.
Und genau die Frage, die sie rhetorisch an einen Absatz hängt: Wer sonst würde das freiwillig und unentgeltlich tun?, entlarvt das Hohelied. Denn die Antwort darf nicht nur lauten: Kein Mann würde das freiwillig und enentgeltlich tun.
Wenn eine Gesellschaft die Fürsorgearbeit tatsächlich wertschätzt und die Atmosphäre so liebt,  in die man heimkehren kann, dann bitte mit angemessener Altervorsorge und einer Entlohnung, die die altruistische Gesprächspartnerin der guten Jahre hinterher nicht mit einem Teilzeitjob an der Armutsgrenze abspeist. Egal ob Mann oder Frau.
Wenn die Hausfrauen in aller Stille an der Zukunft der Gesellschaft arbeiten, dann ist es doch das Mindeste, dass die Gesellschaft diese Arbeit anerkennt und die meinungsbildenden Multiplikatorinnen mit klaren journalistischen Interventionen und politischer Kraft die Gegenwart und Zukunft der Fürsorgearbeit verändern.
Eine apolitische, von Pathos getragene Rückbesinnung auf ein herzergreifendes Mittelschicht-Mutter-Imago ist auf diesem Weg kein Schritt vorwärts.