Sexismus ist wirklich kinderleicht

CC-BY-SA 4.0,

Poyraz 72 Table salt with salt shaker. CC-BY-SA 4.0,

Restaurantkritik im Feuilleton ist eine eigene Kunstform. Feinnervige Kenner, präzise Connaisseure, Ästheten und Adjektivliebhaber sind hier unterwegs.
Man muss diese Kritiken nicht lesen, man kann sie auch als überflüssig erachten angesichts des Elends in der Welt. Ich jedoch finde mein unschuldiges Vergnügen an diesen Elaboraten der Genauigkeit. Für die Dauer weniger Minuten treten Asylpakete, Rechtspopulismus und Politikerphrasen zurück und machen Platz für intensiv schmeckende Tannenspitzencreme, für eine prächtig tiefe und ausgewogene Ingwermarinade oder in Apfelsaft zart karamellisierte Schwarzwurzeln.
Ende Januar übernahm Jakob Strobel y Serra die Geschmackssache in der FAZ von Jürgen Dollase und hat keine drei Wochen später die Latte gerissen. Ein epic failure, das Portrait zweier junger Winzerinnen, Schwestern, die das elterliche Weingut mit avancierten Methoden zu großer Qualität führen.
Hochgewachsen, rank, fruchtbar, jung, gesund – ein Schelm, der bei diesen Adjektiven an Reben denkt. Nein, nein, man schaue sich zunächst die Winzerinnen an, erst dann weiß man, wie es um das Potenzial der Pflanzen bestellt ist. Augenzwinkernd lädt der Autor zu dieser Betrachtung ein, er kann einfach nicht anders, wenn er sich diese Prachtexemplare von Winzerinnen anschaut. Selbstverständlich meint er es nicht wirklich ernst, er schreibt es nur so.

Ganz groß. Dürfen wir das auch mal probieren?

Seine konturlosen, massigen Gesichtszüge stehen für einen Populismus, der dröhnend das sein Machterstreben kaschiert.
Die nationalistische Denkweise des Autors hat in der zerknitterten Kinnpartie ihre Spuren eingeschrieben.
Dass rassistische Ressentiments mit der Angst vor Homosexualität verknüpft sind, belegt der effiminierte Lippenschwung.
So erfolgreich wie in seiner biologischen Reproduktionstätigkeit erweist sich laut dem Quartalsbericht der Vorstandsvorsitzende zum Bedauern der Aktionäre nicht.

Geht wirklich kinderleicht.
Besser, Sie schicken mir kein Foto, denn wer könnte schon einem kleinen, unheimlich lustigen sexistischen Spaß widerstehen.

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